Face of the Day: Romy Kowalewski

Mut zur UnkonventionalitÀt.

Gebildet, vernetzt, informiert. Die Generationen Y und Z stehen einerseits vor einer Vielzahl an Möglichkeiten, andererseits vor der Herausforderung zu erkennen, was ihnen wirklich wichtig ist. Eine, die ihre Leidenschaft gefunden und sie mit einem klaren Plan zum Beruf gemacht hat, ist Romy Kowalewski. Nach dem Motto „discover the new within the now” richtet sich die Unternehmerin mit ihrem Label 27 87 an alle, die mit Konventionen brechen und neue Wege gehen wollen. Ihre DĂŒfte begleiten die TrĂ€ger;innen dabei, die eigenen TrĂ€ume, Visionen und Ziele zu verfolgen. Wir haben mit ihr ĂŒber ihren Beruf, das verkannte Potenzial von DĂŒften und den Mut zur UnkonventionalitĂ€t gesprochen.

Romy Kowalewski sitzend auf einem Stuhl

Chemie in Kunstform — so beschreibt Romy Kowalewski ihr Handwerk. Anders als man intuitiv vermuten wĂŒrde, steckt hinter dem Beruf der ParfĂŒmeuren weit mehr als nur kreative Arbeit. Neben einzigartigen Ideen fĂŒr neue ParfĂŒms Ist auch ein umfangreiches Wissen ĂŒber chemische Stoffe und DĂŒfte Voraussetzung. Der Weg in die ParfĂŒmbranche lĂ€uft daher oft ĂŒber ein Chemiestudium, das anschließend durch ein Studium der ParfĂŒmerie an einer speziellen Akademie vertieft werden kann. Insgesamt gibt es jedoch nur wenige ParfĂŒmerie-Schulen und die StudienplĂ€tze sind begrenzt. Am renommierten Institut SupĂ©rieur International Du Parfum in Frankreich etwa werden jedes Jahr nur zwischen zwölf und zwanzig Bewerberinnen aufgenommen. Entsprechend gering ist die Zahl derer, die sich als „Master-ParfĂŒmeurinnen” einen Namen machen.

Im Vergleich dazu sind weltweit sogar die Astronautinnen in der Überzahl. ParfĂŒmeuri:in ist somit kein Beruf, den jeder mit nur etwas Geduld erlernen kann. Denn auch wenn wir unsere Umwelt zu einem großen Teil durch die Nase wahrnehmen, ist der grĂ¶ĂŸte Teil unserer A) blind — so das Urteil der von Romy Kowalewski. Von all unseren Sinnen wird der

Geruchssinn möglicherweise am meisten unterschĂ€tzt. Woran das liegt? DĂŒfte sind weder greifbar noch sichtbar. DarĂŒber hinaus wird ihnen in unserer Ausbildung kaum Aufmerksamkeit geschenkt: Wir lernen Sprachen und Kochen, interpretieren Musik und GemĂ€lde oder werden selbst kĂŒnstlerisch aktiv, unseren Geruchssinn trainieren wir jedoch nicht.

From sense to scent.

Romy Kowalewski hingegen wurde die AffinitĂ€t zu DĂŒften in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in einer BĂ€cker: innenfamilie, hat sie ihren Geschmacks- und Geruchssinn schon als Kind trainiert. TĂ€glich galt es neue Backwaren auf die Geschmacksprobe zu stellen. Damit die Familienmitglieder eine neutrale Bewertung abgeben konnten, wurden die Zutaten nicht verraten - so lernte Romy Kowalewski frĂŒh, Aromen zu erkennen „Jede Nuance zĂ€hlte, da die Liebe zum Detail, also kleinste Geschmacksunterschiede, ĂŒber Erfolg oder Misserfolg entschieden haben. Der Prozess bei der Duftentwicklung meiner ParfĂŒms ist nicht anders”, erzĂ€hlt sie.

Ihre Faszination fĂŒr DĂŒfte wuchs ĂŒber die Jahre, schon zu Schulzeiten konnte man Romy Kowalewski an ihrem Duft erkennen. „Den Gedanken, dass dieser Duft nur mir gehörte und mit niemand anderem in Verbindung gebracht wurde, empfand ich als sehr reizvoll”, erinnert sie sich. Daraus entstand die Idee ihres eigenen ParfĂŒmlabels 27 87. Mit 26 Jahren stellte sie ihre Vision in Paris vor und begab sich auf die Suche nach Investorinnen. Die Herausforderung: andere Menschen von etwas zu ĂŒberzeugen, das man weder sehen, anfassen noch riechen konnte. Der SchlĂŒssel: ein starker Wille und Durchhaltevermögen.

Nicht umsonst lautet ihr Mantra „Just do it mit einer Prise no risk, no fun”.

Nach zwei Jahren fand Romy Kowalewski die nötige Finanzierung und konnte mit der Design-Entwicklung und der Produktion durchstarten. Ihr Durchhaltevermögen spielte auch danach eine tragende Rolle. Um sich ihren Traum zu finanzieren, arbeitete sie in einer Festanstellung im Marketing. Bis zum Launch ihrer Marke im Jahr 2016. Seitdem ist 27 87 unaufhaltsam gewachsen, weltweit sind die ParfĂŒms des Labels mittlerweile in etwa 23 LĂ€ndern erhĂ€ltlich. Entscheidend fĂŒr diesen Erfolg ist das Team dahinter. Der Wettbewerb in der Branche ist stark, und fĂŒr den Aufbau der eigenen Marke braucht es viele Kompetenzen: von der Produktion ĂŒber die Vermarktung bis hin zur Distribution der DĂŒfte. „Exzellenz entsteht gerade in der ParfĂŒmbranche im Team“, fasst es Kowalewski zusammen.

Schön dekoriertes Esszimmer mit der Avoury One Teemaschine im Hintergrund
ParfĂŒmflakon hamaca von der Marke 27 87

Tradition trifft auf Moderne.

Mit 27 87 transportiert Romy Kowalewski die traditionelle Handwerkskunst der ParfĂŒmherstellung ins 21. Jahrhundert. Die Ideen fĂŒr ihre DĂŒfte stammen vor allem aus ihrem Leben, von Reisen und vielen neuen Leuten, die ihr begegnen. ZusĂ€tzlich spielen ihr Umfeld, ihr Wohnort Barcelona und vor allem das aktuelle Zeitgeschehen eine wichtige Rolle. Kurz gesagt. Ihre Inspirationsquelle liegt im Hier und Jetzt. Erst kĂŒrzlich entstand auf einem Barbecue, umgeben von Grillaromen, die Idee zu einem neuen Duft, der Ă€hnlich ungewöhnlich wie die Situation werden dĂŒrfte. Neben extremen EinflĂŒssen steckt auch viel Persönliches in ihren DĂŒften. So bezieht sich der Name der Marke auf das Geburtsdatum der ParfĂŒmeurin — fĂŒr sie etwas sehr Privates. Zudem handelt es sich bei 27 87 auch um eine Anspielung auf die beiden ungewöhnlichen FlakongrĂ¶ĂŸen: Statt in die StandardgrĂ¶ĂŸen von 30, 50 oder 90 Milllitern werden die DĂŒfte von 27 87 in 27-Milliliter und 87-Milliliter-Flakons abgefĂŒllt. Ähnlich unkonventionell ist auch deren Design. Anders als in der Branche ĂŒblich, legt das Label den Fokus nicht auf aufwendige Verpackungen oder die Vermarktung. Stattdessen zeichnen sich die ParfĂŒms von 27 87 durch klare, minimalistische Linien aus, die die Aufmerksamkeit auf den Duft selbst lenken. Sinnbildlich gesprochen ist der weiße Flakon ein weißes Blatt Papier, auf das die TrĂ€gerinnen Ihre eigene Geschichte in Verbindung mit dem Duft schreiben und diesen vollkommen zu ihrem eigenen machen können. Passend dazu bezeichnet Romy Kowalewski ihre DĂŒfte auch als „ParfĂŒms ohne Erinnerung und Vergangenheit”.

Mut zur UnkonventionalitÀt.

WĂ€hrend große Duftlabels meist aktuellen Trends folgen, um den Geschmack der breiten Masse zu treffen, setzt Romy Kowalewski auf Charakter und IndividualitĂ€t. „Ich suche das Nicht-Konventionelle in allen Bereichen meines Lebens. Auch bei den DĂŒften habe ich da keine Scheu. Es gibt, so wie in der Musik und in anderen Kunstformen, immer die Möglichkeit, mit dem Konventionellen zu brechen.“

So findet sich in Ihrem Duft „Wandervogel” als Hauptingredienz die Nana-Minze, die fĂŒr Kowalewski eine persönliche Bedeutung hat. „FrĂŒher haben wir frische Minze gesammelt und mit den getrockneten BlĂ€ttern unseren eigenen Tee zu Hause gebrĂŒht.“ Ungeachtet dessen, dass Minze in der Haute ParfĂŒmerie normalerweise nicht vorkommt, stellt sie den erfrischenden, energetisierenden Geruch deshalb bewusst in den Fokus.

Oft sind es vor allem die unkonventionellen oder gar negativ besetzten GerĂŒche, die der Gesamtkonzeption das gewisse Etwas verleihen. In „SĂłnar” treffen Aromen von Vanille und Bergamotte auf einen verbrannten Gummigeruch, was im ersten Moment irritieren mag. Wenn man jedoch weiß, dass es sich um eine Duft-Interpretation des Electronic-Musikfestivals „SĂłnar“ in Barcelona handelt, ergibt die ungewöhnliche Kombination plötzlich Sinn.

 

Übrigens: Bergamotte und Vanille sind nicht nur beliebte Ingredienzen fĂŒr ParfĂŒms, sondern spielen auch bei der Komposition besonderer Teesorten eine tragende Rolle. So erhĂ€lt der EARL GREY von Avoury sein unverkennbares Aroma erst durch Zugabe von hochwertigem Bergamotteöl aus Kalabrien. Im MUMBAI CHAI lassen sich neben Zimt, Kardamom und Nelken auch Vanillenoten erschmecken, die fĂŒr die perfekte WĂŒrze und ganz nebenbei auch fĂŒr einen tollen Duft in der Tasse sorgen.

VergrĂ¶ĂŸerte weiße BlĂŒtenblĂ€tter
ParfĂŒmflakon hashtag von der Marke 27 87

Finding your own scent.

Wie findet man heraus, welcher Duft am besten zu einem passt? Darauf hat Romy Kowalewski eine klare und kurze Antwort Konkret kann es bei der Entscheidung helfen, den Duft „in Aktion” zu erleben. Das meint, das potenzielle neue ParfĂŒm vor „Immer der Nase nach. Es spielt keine Rolle, was fĂŒr andere „gut“ riecht. Die Duftwahl ist eine intime, individuelle Entscheidung. einem bestimmtem Anlass wie einer Reise, einem Abend mit Freund:innen oder einem Meeting aufzutragen. Schließlich sagt ein Duft viel darĂŒber aus, wer man ist, wie man sich fĂŒhlt oder wahrgenommen werden möchte. So verknĂŒpft man unbewusst erste Erinnerungen damit, wodurch die spĂ€tere Entscheidung womöglich leichter fĂ€llt. 

Bislang existieren vier verschiedene Duftlinien von 27 87, die jeweils unterschiedliche Stimmungen und Situationen widerspiegeln. Wo die weitere Duft-Reise noch hingeht? Diese Frage beschĂ€ftigt sie gerade sehr, erzĂ€hlt Romy Kowalewski. Zwar wird sie stark von der Gegenwart inspiriert, mit Blick auf die Zukunft sieht sie jedoch viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung fĂŒr ihr Label. Letztlich gehe es darum, „im Hier und Jetzt offen zu bleiben fĂŒr Neues”.

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