Must be said:

Gastbeitrag Franziska von Hardenberg

Breathe in, breathe out.

Manchmal verändert sich die Welt so schnell, dass wir das Gefühl haben, kaum hinterherzukommen. Dann hilft es nur, einen Schritt nach dem anderen zu machen und aktiv zu werden. Kaum jemand hätte erwartet, dass uns das Jahr 2020 mit einer globalen Pandemie in Atem halten wird, die ermöglicht, neue Strukturen zu entwickeln. Wie das geht, erklärt uns die Unternehmerin Franziska von Hardenberg in einem sehr persönlichen Gastbeitrag.
Einatmen und ausatmen – etwas, das ich mir immer wieder sagen muss. Mein Alltag als Unternehmerin und Mutter von zwei kleinen Töchtern ist oftmals sehr voll und auch nicht gerade von vielen Pausen geprägt. Ich nenne ihn mal „energiegeladen“, andere würden vielleicht eher sagen „stressig“. Aber das gehört dazu. Ich bin der festen Überzeugung: Wer immer rudert, der hält das Boot in Gang.

Ich bin mittlerweile seit fast zehn Jahren Unternehmerin, kenne alle Höhen und Tiefen und weiß, dass man sehr viel schaffen kann, wenn man flexibel, kreativ, aber eben auch diszipliniert bleibt. Disziplin ist wohl eine Eigenschaft, die mich neben all der Energie und vielen neuen Ideen am meisten auszeichnet. 2017 war dies besonders schwer für mich. Erst verlor ich mein erstes Unternehmen durch eine gescheiterte Finanzierungsrunde an die Konkurrenz, danach fand ich mich im Krankenhaus wieder und erlebte die viel zu frühe Geburt meiner zweiten Tochter. Was mich an diesem Tiefpunkt zu maximalem Antrieb bewegte, war ein Satz, den mir jemand zuschickte: „Jeder bekommt nur die Herausforderungen gestellt, die er auch meistern kann.“ Dieser Satz hat mir in der Zeit und bis heute so sehr geholfen. Ich habe die Ärmel hochgekrempelt und ein neues Unternehmen gegründet: HOLY GOLDY. Mit 500 Euro Startkapital habe ich ein mittlerweile sehr umsatzstarkes Unternehmen aufgebaut. Eines, das zu 100 Prozent mir gehört und bei dem ich zu 100 Prozent entscheiden kann. All das hilft mir natürlich auch jetzt dabei, mit der aktuellen Situation rund um Covid-19 umzugehen.

Je schwerer es wird, desto mehr Ideen habe ich, desto kreativer werde ich und desto stärker wachse ich über mich hinaus. Hier drei Tipps, die helfen die Schockstarre zu überwinden – und auch bei jedem Durchhänger, der einen hin und wieder überkommt:

Tipp 1: Flexibel bleiben. Ich hatte auch ganz andere Pläne für dieses Jahr, musste mehrere Reisen absagen und vieles umorganisieren. Aber sich darüber zu ärgern hilft nicht, man muss flexibel bleiben, um erfolgreich zu sein.

Tipp 2: Positiv bleiben. Ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Ich sehe immer das Gute und das, was gerade positiv läuft. Meine Familie ist gesund, ich bin gesund. Also keine Ausreden – los geht’s!

Tipp 3: Offen bleiben. Neue Marktopportunitäten erkennen und zugreifen. Ich glaube, dass diese Krise auch eine sehr große Chance für viele Unternehmen – und auch persönliche Unternehmungen – sein kann. Wenn man sich nicht hinter Selbstmitleid versteckt, sondern offen die Welt ansieht, versteht, was jetzt gebraucht wird, und sein Unternehmen bestmöglich anpasst, dann kann die Krise auch eine große Chance sein.

Der große Vorteil an meiner selbstständigen Tätigkeit ist, dass ich an praktisch jedem Ort arbeiten kann – auch sehr gut von zu Hause aus. Ich kann mir den Tag wahnsinnig flexibel einteilen und genieße es, dass ich nicht mehr zwölf Stunden am Tag im Büro sein muss, Hunderte Meetings die Woche habe, die oft nur ablenken, sondern mein Arbeitstempo individuell anpassen kann. So bleibt viel mehr Zeit mit meinen Kindern. Etwas, das ich mir immer gewünscht habe und das gerade jetzt auch wunderschön ist.

Home-Office and the Kids: Von Ruhe und Routinen.

Wir sind in der unglaublich glücklichen Situation, dass wir vor vier Jahren ein Landhaus in Brandenburg kaufen konnten, was sehr aufwendig und mit viel Eigenleistung renoviert wurde. Jetzt, wo es innen so gut wie fertig ist, bietet es hier mehr Platz als zu Hause in Berlin. Unsere beiden Kinder haben endlich jeweils ihr eigenes Zimmer und unser Wohnzimmer teilt sich in Sofa- und Spielbereich. Zudem ist seit August ein Au-pair aus Brasilien bei uns – also sind wir gerade, unverhofft, mehr als privilegiert. Wir haben versucht, den Kindern die neue Situation ruhig zu erklären und auch, warum es jetzt extra wichtig ist, Ordnung und Struktur beizubehalten. Es ist für uns alle nicht leicht, weil wir sonst nur am Wochenende zuhause sind, dann meist ohne feste Struktur, um die gemeinsame Zeit entspannt zu genießen. Jetzt haben mein Mann und ich an einem Schreibtisch unter dem Dach unser Home-Office eingerichtet und es gibt klare Zeiten und Absprachen. Unsere Routine, die vielleicht auch anderen Eltern in der gleichen Situation hilft, sieht wie folgt aus: Der Tag startet mit einem gemeinsamen Frühstück, danach versuchen wir, drei Stunden konzentriert durchzuarbeiten. Mittagessen wird um 12.00 Uhr vorbereitet, da wechseln mein Mann und ich uns ab. Am frühen Nachmittag ist Mittagsruhe für die Kinder, wir arbeiten weiter. Während die Kinder anschließend zwei Stunden spielen, arbeiten wir ebenfalls. Dabei achte ich darauf, spätestens um 17.00 Uhr Schluss zu machen, um noch Zeit mit den Kindern zu verbringen, zu backen oder rauszugehen. Zeitpläne und Strukturen helfen nicht nur uns, sondern auch den Kindern.

Grundentspannung in der Anspannung.

Die Zeit zu Hause genieße ich gerade sehr, auch wenn wenig Momente für mich bleiben. Ab und zu ein heißes Bad oder ein gutes Buch – das ist gerade das Maximum an Me-Time. Dafür genieße ich ganz viel Family-Time und habe deutlich weniger Stress. Ich muss viel weniger organisieren, wir gehen nur einmal die Woche einkaufen. Vielmehr muss ich nur dafür sorgen, dass es allen gut geht, aber nicht noch tausend Dinge drum herum koordinieren. Dabei stellt sich, trotz der aktuellen Anspannung, eine gewisse Grundentspannung ein. Ich hoffe, dass wir alle diesen Gemeinschaftssinn, den gegenseitigen Support und den Zusammenhalt beibehalten. Ich möchte im Sommer ein riesengroßes Fest im Garten feiern mit der ganzen Familie und allen Freunden. Bis dahin versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen, wie immer eben, und das klappt besser als gedacht. Breathe in, breathe out.